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Waffenrecht 2026: DJV fordert Fokus auf illegale Waffen statt neue Auflagen für Jäger

Der Jagdverband verlangt bei der Waffenrechts-Evaluierung eine Statistik, die legale von illegalen Waffen trennt – und mehr Einsatz gegen den Schwarzmarkt statt Auflagen für Jäger.

LMLauritz Maaßen03. August 2026Waffenrecht, DJV, Illegale Waffen
Waffenrecht 2026: DJV fordert Fokus auf illegale Waffen statt neue Auflagen für Jäger

Beim Waffenrecht bahnt sich 2026 eine Grundsatzdebatte an – und der Deutsche Jagdverband (DJV) will die Richtung mitbestimmen. Während die Bundesregierung das Waffenrecht überprüft und neu bewertet, fordert DJV-Präsident Helmut Dammann-Tamke, den Blick weg von legalen Waffenbesitzern und hin zu den Millionen illegalen Schusswaffen in Deutschland zu lenken. Statt neuer Auflagen für Jäger brauche es mehr verdeckte Ermittler und eine Kriminalstatistik, die legale von illegalen Waffen trennt.

Die Kernbotschaft

Der DJV wirft der Politik vor, nach schweren Straftaten reflexartig das legale Waffenrecht zu verschärfen – und damit am eigentlichen Problem vorbeizuzielen. Der Hebel für mehr Sicherheit liege beim illegalen Schwarzmarkt, nicht bei Jägern und Sportschützen.

Was ist passiert?

In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung" (noz) hat sich Dammann-Tamke angesichts der laufenden Überprüfung des Waffenrechts durch die Bundesregierung deutlich positioniert. Seine zentrale Forderung: eine bundesweite Statistik, die unterscheidet, ob eine Straftat mit einer legalen oder einer illegalen Waffe begangen wurde. „Wir brauchen endlich eine bundesweite Statistik, die unterscheidet, ob eine Straftat mit einer legalen oder einer illegalen Waffe begangen wurde", sagte der Verbandspräsident der Zeitung.

Zur Begründung verwies er auf eine Auswertung aus Nordrhein-Westfalen: Danach seien Jäger nur an 0,01 Prozent der Delikte mit Waffen beteiligt. Die nach schweren Straftaten in den vergangenen Jahren beschlossenen Verschärfungen des Waffenrechts nannte Dammann-Tamke laut noz eine „völlig falsche Fokussierung". Eine angedachte Begrenzung der Zahl von Langwaffen für Jäger bezeichnete er als „reines Placebo".

Historischer Hansehafen in der Altstadt von Stade in Niedersachsen
Stade in Niedersachsen: Der Sechsfachmörder von Stade hatte seine Tatwaffe laut Medienberichten auf dem Schwarzmarkt gekauft – ein Fall, den der DJV als Beleg für sein Argument anführt. Foto: Dietmar Rabich / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Das Argument: legale Auflagen treffen die Falschen

Der Fall, an dem der Verband seine Kritik festmacht, ist der Sechsfachmord von Stade. Der Täter hatte seine halbautomatische Waffe samt Munition nach Angaben der noz für 4.000 Euro auf dem Schwarzmarkt in Berlin gekauft. Offenbar sei es in Deutschland immer noch zu einfach, an solche Waffen zu kommen, sagte Dammann-Tamke. Der Gesetzgeber müsse seinen Fokus deshalb endlich auf die geschätzten 20 Millionen illegalen Waffen in Deutschland legen.

„Wir brauchen mehr verdeckte Ermittler und spezielle Einsatzgruppen, die den illegalen Schwarzmarkt austrocknen, anstatt dass man gesetzestreue Bürger mit bürokratischen Schikanen überzieht", sagte der Jäger-Präsident der Zeitung.

Kurfürstendamm in Berlin-Charlottenburg
Berlin: Nach Medienberichten wurde die Tatwaffe von Stade auf dem Schwarzmarkt in der Hauptstadt beschafft. Der DJV sieht hier den eigentlichen Ansatzpunkt für mehr Sicherheit. Foto: Maksym Kozlenko / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Einordnung: die Zahl der illegalen Waffen

Die oft genannte Schätzung von rund 20 Millionen illegalen Waffen in Deutschland ist mit Vorsicht zu lesen. Sie geht auf ältere Schätzungen zurück und wird unter anderem von der Gewerkschaft der Polizei (GdP) angeführt; belastbare, aktuelle Zahlen zum Dunkelfeld gibt es nicht. Unstrittig ist aber, dass der illegale Waffenmarkt eng mit organisierter Kriminalität verzahnt ist.

Worum es bei der Evaluierung geht

Die Forderungen fügen sich in eine Position ein, die der DJV bereits zum Auftakt der Evaluierung des Waffenrechts formuliert hat. In einer Stellungnahme an das Bundesinnenministerium hatte der Verband gemeinsam mit dem Deutschen Schützenbund (DSB) und dem Bundesverband zivile Legalwaffen (BZL) fünf zentrale Kritikpunkte benannt.

Forderung des DJVZiel
Mehr Augenmaß bei der ZuverlässigkeitsprüfungKeine harten Sanktionen bei Bagatellen ohne Sicherheitsrelevanz
Keine Langwaffen-Begrenzung durch die HintertürPraxistaugliche, liberale Regeln für Jäger
Integrierte Nachtzielgeräte legalisierenLücken der letzten Reform schließen
Klare Regeln für Waffenschränke mit SchlüsselRechtssicherheit bei der Aufbewahrung
Ausnahmen von Messerverboten für JägerPraxisgerechte Regelungen für Erlaubnisinhaber
Waffenschrank mit eingestellten Langwaffen und Munitionsfach
Sichere Aufbewahrung ist Pflicht: Langwaffen im Waffenschrank, Munition getrennt im Fach. Auch bei den Vorschriften für Waffenschränke fordert der DJV klarere Regeln. Foto: Herstellerabbildung (Symbolbild)

Die eigentliche Evaluierung soll in den kommenden Monaten laufen, bevor voraussichtlich im kommenden Jahr konkrete Änderungen am Waffengesetz diskutiert werden. Dass das Waffenrecht überprüft wird, ist im Koalitionsvertrag der Bundesregierung verankert.

Was bedeutet das für Jäger?

Für Jägerinnen und Jäger ist die Debatte mehr als Verbandspolitik: Sie entscheidet mit darüber, wie aufwendig der legale Waffenbesitz künftig wird – von der Zahl der erlaubten Langwaffen bis zu den Aufbewahrungsregeln. Wer die Systematik des Waffenrechts kennt, kann die Vorschläge besser einordnen.

Konkret jetzt tun

  • Die eigene Aufbewahrung sauber halten: Waffenschrank nach Norm, Schlüssel und Munition korrekt verwahrt – das ist der häufigste Ansatzpunkt bei Kontrollen.

  • Beim Waffenkauf auf die korrekte Voreintragung und die Anmeldefristen achten.

  • Die Diskussion um die Evaluierung verfolgen: Änderungen am Waffengesetz betreffen Langwaffenzahl, Zuverlässigkeit und Nachtzieltechnik direkt.

  • Als Anwärter das Bedürfnisprinzip und das Jägerprivileg (§ 13 WaffG) sicher beherrschen – ein klassisches Prüfungsthema.

Gerade für Jagdschein-Anwärter lohnt der Blick hinter die Schlagzeile: Das waffenrechtliche Bedürfnis, die Zuverlässigkeit und die Aufbewahrungspflichten sind Kernthemen im Fach Waffenrecht. Die aktuelle Debatte zeigt, warum diese Begriffe nicht nur Prüfungsstoff, sondern gelebte Praxis sind.

Häufige Fragen

Wie viele legale Waffenbesitzer gibt es in Deutschland?

In Deutschland gibt es rund eine Million legale Waffenbesitzer mit mehreren Millionen registrierten Waffen. Ihnen stehen laut den vom DJV zitierten Schätzungen deutlich mehr illegale, nicht registrierte Waffen gegenüber – genau darauf zielt die Forderung nach einer differenzierten Statistik.

Sollen Jäger künftig weniger Langwaffen besitzen dürfen?

Eine zahlenmäßige Begrenzung der Langwaffen ist im Waffengesetz bisher nicht vorgesehen. Der DJV wehrt sich gegen eine Begrenzung „durch die Hintertür" über die Behördenpraxis und lehnt sie als sicherheitspolitisch wirkungslos ab.

Wann ändert sich das Waffenrecht konkret?

Die Bundesregierung wertet das Waffenrecht derzeit aus. Konkrete Gesetzesänderungen werden voraussichtlich erst im kommenden Jahr diskutiert – bis dahin gilt die bestehende Rechtslage.

Waffenrecht ist eines der Kernfächer der Jägerprüfung. Mit Jagdkompass übst du Bedürfnisprinzip, Zuverlässigkeit und Aufbewahrung an echten Prüfungsfragen – strukturiert und im eigenen Tempo. Mehr dazu im Bereich Jagdschein und Recht und in allen aktuellen Nachrichten aus der Jagdwelt.

Passend dazu: Warum der VGH München die Bedürfnisprüfung für Jäger gekippt hat und wie viele Waffen auf die Waffenbesitzkarte eines Jägers dürfen.

Quelle

Neue Osnabrücker Zeitung (noz): Interview mit DJV-Präsident Helmut Dammann-Tamke zum Waffenrecht, 3. August 2026. Zur Meldung

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