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Einführung in das Schalenwild für die Jägerprüfung

Dieser Artikel führt in die Grundlagen des Schalenwildes ein, einem zentralen Thema der Jägerprüfung. Er behandelt die wichtigsten Wildarten, deren Merkmale und jagdliche Aspekte.

09. März 2026Schalenwild, Jagd, Wildarten
Einführung in das Schalenwild für die Jägerprüfung

Einführung in das Schalenwild (Artiodactyla)

Schalenwild umfasst alle dem Jagdrecht unterliegenden Paarhufer. Die "Klauen" werden in der Jägersprache als Schalen bezeichnet.


1. Die Einteilung: Hochwild vs. Niederwild

Rechtlich wird Schalenwild streng unterschieden (entscheidend für Pachtverträge und Abschussplanung):

  1. Hochwild: Dazu gehört alles Schalenwild (Rotwild, Damwild, Sikawild, Schwarzwild, Gamswild, Muffelwild, Steinwild, Elchwild, Wisent) – mit einer Ausnahme!
  2. Niederwild: Die einzige Schalenwildart, die zum Niederwild gehört, ist das Rehwild.

2. Die wichtigsten Arten im Überblick

A. Geweihträger (Cerviden) – Werfen ab!

Diese Arten bilden jährlich ein neues Geweih aus Knochensubstanz.

  • Rotwild (Cervus elaphus): Unsere größte Wildart.
  • Damwild (Dama dama): Schaufelgeweih, oft unterschiedliche Farbvarianten (weiß, schwarz, wildfarben).
  • Rehwild (Capreolus capreolus): Unsere häufigste Art.
    • Besonderheit: Obwohl der Rehbock biologisch ein Geweih trägt, spricht der Jäger traditionell vom "Gehörn". Es wird aber jährlich geworfen!

B. Hornträger (Boviden) – Werfen NICHT ab!

Diese Arten tragen Hornscheiden (Keratin/Fingernagel-Material) auf einem Knochenzapfen. Diese wachsen ein Leben lang und werden niemals abgeworfen.

  • Gamswild (Rupicapra rupicapra): Beide Geschlechter tragen "Krucken".
  • Muffelwild (Ovis gmelini musimon): Das einzige Wildschaf Europas. Widder haben "Schnecken", Schafe sind meist hornlos.
  • Steinwild (Capra ibex): Beide Geschlechter tragen Hörner.

C. Schwarzwild (Sus scrofa)

  • Kein Geweih oder Horn, sondern Gewaff (Eckzähne).

3. Merkmale und Ansprechen

Das sichere Erkennen ("Ansprechen") ist vor dem Schuss Pflicht.

Geschlechtsmerkmale (Sekundär):

  • Rehwild:
    • Bock: Pinsel (am Bauch sichtbar).
    • Geiß: Schürze (helles Haarbüschel am Hinterteil/Feuchtblatt).
  • Schwarzwild:
    • Keiler: Pinsel und Steine (Hoden) sichtbar, Haderer (Oberkiefer) und Gewehre (Unterkiefer).
    • Bache: Striche (Gesäuge) sichtbar, hat nur kleine Haken (Eckzähne).
  • Rotwild:
    • Hirsch: Geweih, Pinsel, Mähne (Brunft).
    • Tier (weiblich): Kein Geweih.

Altersbestimmung:

  • Zahnabschliff: Bei allen Arten wichtig (Kunde).
  • Zahnwechsel: Sicherstes Merkmal bei Jungtieren (Milchgebiss vs. Dauergebiss).
  • Jahresringe: Nur bei Hornträgern (Gams/Muffel) an den Schläuchen abzählbar.

4. Fortpflanzung (Zeiten sind Prüfungsstoff!)

WildartPaarungszeit (Begriff)Setzzeit (Geburt)BesonderheitRehwildJuli/August (Blattzeit)Mai/JuniEiruhe (Keimruhe bis Dezember)!RotwildSept./Okt. (Brunft)Mai/JuniHirsch röhrt.DamwildOktober (Brunft)JuniHirsch rülpst.GamsNov./Dez. (Brunft)Mai/JuniSchwarzwildNov./Dez. (Rauschzeit)März/April (Hauptzeit)Aber: Ganzjährig möglich!


5. Trophäen und Abwurfzeiten

Ein beliebtes Thema in der mündlichen Prüfung. Wann ist der Bock "kahl"?

  • Rehbock: Abwurf Okt./Nov. (schiebt im Winter neu).
  • Rothirsch: Abwurf Feb./März (alte Hirsche werfen früher als junge).
  • Damhirsch: Abwurf April.

6. Zusammenfassung

  1. Fehler vermeiden: Gams und Muffel werfen ihre "Krucken/Schnecken" niemals ab.
  2. Recht: Rehwild ist Niederwild, Sauen sind Hochwild.
  3. Gebiss: Altersschätzung erfolgt über den Zahnabschliff (Kunde) oder Zahnwechsel.
  4. Schwarzwild: Vermehrt sich bei guter Mast ("Vollmast") explosionsartig ganzjährig.
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