Einführung in die Greifvögel (Accipitriformes & Falconiformes)
Obwohl Falken biologisch eine eigene Ordnung sind, werden sie im jagdlichen Kontext oft gemeinsam mit den eigentlichen Greifvögeln behandelt. Beide Gruppen sind Fleischfresser und perfekt an die Jagd angepasst.
1. Systematik und Einteilung
Wir unterscheiden zwei Hauptgruppen, deren Tötungsweise für die Prüfung entscheidend ist:
A. Habichtartige (Accipitridae) – Die "Grifftöter"
Zu dieser Familie gehören Adler, Bussarde, Habichte, Sperber, Milane und Weihen.
- Tötungsmethode: Sie töten die Beute durch den festen Zugriff ihrer Griffe (Füße). Die Krallen durchbohren die lebenswichtigen Organe.
- Merkmal: Meist breite, gefingerte Schwingen (außer Weihen/Sperber).
B. Falkenartige (Falconidae) – Die "Bisstöter"
Zu dieser Familie gehören Turmfalke, Wanderfalke und Baumfalke.
- Tötungsmethode: Sie fangen die Beute mit den Fängen, töten sie aber durch einen gezielten Biss ins Genick.
- Merkmal: Sie besitzen im Oberschnabel eine Auskerbung, den Falkenzahn, der das Genickbrechen erleichtert.
- Flugbild: Spitze, sichelförmige Schwingen (schneller Schlagflug).
2. Jägersprache und Merkmale
In der Prüfung müssen die Körperteile korrekt benannt werden:
- Schnabel: Hakenförmig, beim Falken mit "Zahn".
- Augen: Heißen Seher (bei Falken auch oft so genannt) oder Lichter.
- Besonderheit: Greifvögel sehen extrem scharf (auch UV-Licht bei Turmfalken zum Erkennen von Mäuseurin).
- Füße:
- Bei Habichtartigen: Griffe.
- Bei Falken: Fänge.
- Schwanz: Heißt Stoß.
- Flügel: Heißen Schwingen.
Geschlechtsdimorphismus
Bei den meisten Greifvögeln ist das Weibchen deutlich größer und stärker als das Männchen (anders als bei fast allen anderen Tieren!).
- Grund: Das Weibchen muss das Gelege und die Jungen gegen Feinde verteidigen.
- Bezeichnungen für Männchen:
- Beim Habicht & Wanderfalken: Terzel (lat. tertius = das dritte Teil, da er ca. 1/3 kleiner ist).
- Beim Sperber: Sprinz (sehr klein!).
3. Erkennungsmerkmale der Arten (Prüfungsfokus)
Hier sind die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale für das "Ansprechen":
ArtGruppeMerkmal (Flugbild/Verhalten)Lebensraum/JagdHabichtGrifftöterKurze, runde Schwingen; langer Stoß. Ansitzjäger.Wald ("Gepard des Waldes"). Jagt Kaninchen, Krähen, Tauben.SperberGrifftöterWie Habicht, nur viel kleiner.Jagt Kleinvögel an Futterstellen/Hecken.MäusebussardGrifftöterBreite Schwingen, kurzer Stoß ("Brett"). Oft rüttelnd (aber träger als Falke).Offene Feldflur, sitzt auf Pfählen. Frisst Mäuse/Aas.RotmilanGrifftöterTief gegabelter Stoß (Gabelweihe), rostrot.Segelt über Feldern.TurmfalkeBisstöterRüttelt ("stehen") in der Luft. Rostbraun.Kulturfolger (Stadt/Feld). Jagt Mäuse.WanderfalkeBisstöterSpitze Flügel, dunkler "Bartstreif" im Gesicht.Schnellster Vogel im Sturzflug. Jagt Vögel in der Luft.KornweiheGrifftöterV-förmige Flügelhaltung ("Gaukeln"), langer Stoß.Bodenbrüter in Mooren/Feldern.
4. Verdauung und Gewölle
Greifvögel sind "Spei-Vögel". Unverdauliche Reste (Haare, Federn) werden als Gewölle ausgewürgt.
- Unterschied zu Eulen (Wichtig!):
- Greifvögel haben sehr aggressive Magensäure. Sie verdauen Knochen fast vollständig. Ihr Gewölle enthält keine/kaum Knochen, nur Haare/Federn.
- Eulen verdauen Knochen nicht. Ihr Gewölle enthält viele Knochenreste.
5. Rechtlicher Status (BJagdG vs. BNatSchG)
- Status: Alle Greifvögel unterliegen dem Bundesjagdgesetz (Sie sind Wild!).
- Aneignungsrecht: Deshalb hat der Jäger das Aneignungsrecht an totem Fallwild (und die Pflicht zur Versorgung von verletzten Tieren).
- Schonzeit: Fast alle haben jedoch eine ganzjährige Schonzeit (durch Bundesnaturschutzgesetz geschützt).
- Ausnahme: In manchen Bundesländern gibt es enge Jagdzeiten für den Mäusebussard (zur Abwehr von Schäden), die aber praktisch kaum genutzt werden.
Zusammenfassung:Falken beißen (Falkenzahn), Habichte greifen (Griffe). Das Weibchen ist stärker ("Das Weib regiert im Horst"). Der Jäger ist zuständig (Aneignungsrecht), darf aber meist nicht schießen (ganzjährige Schonzeit).
