Einführung in das Schalenwild (Artiodactyla)
Schalenwild umfasst alle dem Jagdrecht unterliegenden Paarhufer. Die "Klauen" werden in der Jägersprache als Schalen bezeichnet.
1. Die Einteilung: Hochwild vs. Niederwild
Rechtlich wird Schalenwild streng unterschieden (entscheidend für Pachtverträge und Abschussplanung):
- Hochwild: Dazu gehört alles Schalenwild (Rotwild, Damwild, Sikawild, Schwarzwild, Gamswild, Muffelwild, Steinwild, Elchwild, Wisent) – mit einer Ausnahme!
- Niederwild: Die einzige Schalenwildart, die zum Niederwild gehört, ist das Rehwild.
2. Die wichtigsten Arten im Überblick
A. Geweihträger (Cerviden) – Werfen ab!
Diese Arten bilden jährlich ein neues Geweih aus Knochensubstanz.
- Rotwild (Cervus elaphus): Unsere größte Wildart.
- Damwild (Dama dama): Schaufelgeweih, oft unterschiedliche Farbvarianten (weiß, schwarz, wildfarben).
- Rehwild (Capreolus capreolus): Unsere häufigste Art.
- Besonderheit: Obwohl der Rehbock biologisch ein Geweih trägt, spricht der Jäger traditionell vom "Gehörn". Es wird aber jährlich geworfen!
B. Hornträger (Boviden) – Werfen NICHT ab!
Diese Arten tragen Hornscheiden (Keratin/Fingernagel-Material) auf einem Knochenzapfen. Diese wachsen ein Leben lang und werden niemals abgeworfen.
- Gamswild (Rupicapra rupicapra): Beide Geschlechter tragen "Krucken".
- Muffelwild (Ovis gmelini musimon): Das einzige Wildschaf Europas. Widder haben "Schnecken", Schafe sind meist hornlos.
- Steinwild (Capra ibex): Beide Geschlechter tragen Hörner.
C. Schwarzwild (Sus scrofa)
- Kein Geweih oder Horn, sondern Gewaff (Eckzähne).
3. Merkmale und Ansprechen
Das sichere Erkennen ("Ansprechen") ist vor dem Schuss Pflicht.
Geschlechtsmerkmale (Sekundär):
- Rehwild:
- Bock: Pinsel (am Bauch sichtbar).
- Geiß: Schürze (helles Haarbüschel am Hinterteil/Feuchtblatt).
- Schwarzwild:
- Keiler: Pinsel und Steine (Hoden) sichtbar, Haderer (Oberkiefer) und Gewehre (Unterkiefer).
- Bache: Striche (Gesäuge) sichtbar, hat nur kleine Haken (Eckzähne).
- Rotwild:
- Hirsch: Geweih, Pinsel, Mähne (Brunft).
- Tier (weiblich): Kein Geweih.
Altersbestimmung:
- Zahnabschliff: Bei allen Arten wichtig (Kunde).
- Zahnwechsel: Sicherstes Merkmal bei Jungtieren (Milchgebiss vs. Dauergebiss).
- Jahresringe: Nur bei Hornträgern (Gams/Muffel) an den Schläuchen abzählbar.
4. Fortpflanzung (Zeiten sind Prüfungsstoff!)
WildartPaarungszeit (Begriff)Setzzeit (Geburt)BesonderheitRehwildJuli/August (Blattzeit)Mai/JuniEiruhe (Keimruhe bis Dezember)!RotwildSept./Okt. (Brunft)Mai/JuniHirsch röhrt.DamwildOktober (Brunft)JuniHirsch rülpst.GamsNov./Dez. (Brunft)Mai/JuniSchwarzwildNov./Dez. (Rauschzeit)März/April (Hauptzeit)Aber: Ganzjährig möglich!
5. Trophäen und Abwurfzeiten
Ein beliebtes Thema in der mündlichen Prüfung. Wann ist der Bock "kahl"?
- Rehbock: Abwurf Okt./Nov. (schiebt im Winter neu).
- Rothirsch: Abwurf Feb./März (alte Hirsche werfen früher als junge).
- Damhirsch: Abwurf April.
6. Zusammenfassung
- Fehler vermeiden: Gams und Muffel werfen ihre "Krucken/Schnecken" niemals ab.
- Recht: Rehwild ist Niederwild, Sauen sind Hochwild.
- Gebiss: Altersschätzung erfolgt über den Zahnabschliff (Kunde) oder Zahnwechsel.
- Schwarzwild: Vermehrt sich bei guter Mast ("Vollmast") explosionsartig ganzjährig.
