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Wildunfälle 2025: Gleich viele Zusammenstöße, aber 4.400 Euro pro Fall – und ab Montag fällt der Feierabend in die Dämmerung

Die Zahl der Wildunfälle bleibt bei rund 276.000, die Rechnung steigt auf 1,2 Milliarden Euro. Warum ein Reh heute so viel teurer ist als vor zwei Jahren und was nach der Zeitumstellung gilt.

LMLauritz MaaßenWildunfall, Zeitumstellung, Rehwild

Die Zahl der Wildunfälle in Deutschland bleibt stabil, die Kosten nicht: Rund 276.000 Zusammenstöße mit Reh, Wildschwein und anderem Haarwild haben die Kfz-Versicherer 2025 rund 1,2 Milliarden Euro gekostet, im Schnitt 4.400 Euro pro Fall. In der Nacht zum Sonntag wurden die Uhren zurückgestellt. Ab Montag fällt der Feierabendverkehr wieder in die Dämmerung, wenn das Wild unterwegs ist.

Drei Jahre, eine Zahl bleibt und zwei steigen

JahrWildunfälle mit kaskoversicherten PkwSchadenaufwand der VersichererDurchschnitt je Schaden
2023keine Angabekeine Angabe3.850 Euro
2024276.000über 1,1 Mrd. Euro4.100 Euro
2025rund 276.000rund 1,2 Mrd. Eurorund 4.400 Euro

Die Werte für 2025 hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) am Wochenende veröffentlicht, wie die Nachrichtenagentur dpa-AFX meldet. Die Vorjahreswerte stammen aus der GDV-Bilanz vom März 2026.

Die Unfallzahl stagniert. Nach zwei Jahren mit rund 276.000 Fällen ist kein Trend nach oben oder unten erkennbar. Umgerechnet kracht es gut 750-mal am Tag, also etwa alle zwei Minuten.

Der Schaden pro Fall wächst kräftig. Von 3.850 Euro im Jahr 2023 auf 4.400 Euro im Jahr 2025 sind es 550 Euro mehr in zwei Jahren, ein Plus von gut 14 Prozent. Allein 2025 kamen 300 Euro hinzu.

Die Gesamtrechnung steigt deshalb trotz gleicher Unfallzahl. Der Schadenaufwand liegt 7 Prozent über dem Vorjahr. Auf das Jahr verteilt zahlen die Versicherer rund 3,3 Millionen Euro pro Tag für Blechschäden durch Wild.

Ein Rehkitz im Frontgrill, Neu Poserin (Mecklenburg-Vorpommern), Oktober 2016: Stoßfänger, Gitter und dahinterliegende Sensorik machen solche Schäden heute teuer. Foto: Thomas Kohler / CC BY 2.0 / Wikimedia Commons

Warum ein Reh heute teurer ist als vor zwei Jahren

Mehr oder größeres Wild steckt nicht hinter dem Anstieg. Es liegt an der Werkstatt: Nach Angaben des GDV steigen die Preise für Karosserieteile und die Stundensätze der Werkstätten seit Jahren schneller als die allgemeine Inflation. Anja Käfer-Rohrbach, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des GDV, sagt: „Die dadurch entstandenen Schäden sind aber deutlich teurer geworden. Grund dafür sind die seit Jahren steigenden Reparaturkosten.“ Moderne Fronten verbauen hinter dem Stoßfänger oft Scheinwerfertechnik und Sensoren. Schon ein leichter Aufprall kann deshalb mehrere teure Teile treffen.

Für Autofahrer heißt das: Ein Wildunfall ohne Kaskoschutz wird schnell zu einer Rechnung im mittleren vierstelligen Bereich. Schäden durch Haarwild wie Rehe oder Wildschweine übernimmt die Teil- oder Vollkasko. Der Schadenfreiheitsrabatt bleibt davon unberührt.

Was die GDV-Zahlen zeigen und was nicht

Gezählt werden nur Zusammenstöße mit kaskoversicherten Pkw, die bei einer Versicherung gemeldet wurden. Unfälle ohne Kaskoschutz und nicht gemeldete Bagatellen fehlen. Die Zahlen sagen deshalb mehr über die Kosten als über die Zahl der getöteten Tiere. Wie viel Fallwild im Straßenverkehr umkommt, erfasst die Jagdstatistik getrennt. Eine Aufschlüsselung nach Wildart, Monat oder Bundesland enthalten die neuen Werte nicht.

Feierabend in der Dämmerung: Was die Zeitumstellung verschiebt

Die Zeitumstellung in der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober ändert nichts am Rhythmus des Wildes, wohl aber am Verkehr. Die Sonne geht nach der Uhr eine Stunde früher unter. Wer bisher bei Tageslicht nach Hause fuhr, ist ab Montag in der Abenddämmerung unterwegs. Morgens bleibt es ohnehin dämmrig, weil die Sonne im Spätherbst Tag für Tag später aufgeht. Der Deutsche Jagdverband nennt als kritisches Fenster etwa 6 bis 9 Uhr am Morgen und die Zeit ab etwa 17 Uhr. Wildtiere folgen ihrer inneren Uhr und ziehen in der Dämmerung zur Äsung, also zur Nahrungssuche, über Straßen hinweg.

Gemeint sind vor allem Reh-, Schwarz-, Rot- und Damwild. Wo ein Stück die Fahrbahn quert, folgen oft weitere: Rehe stehen ab dem Herbst in Sprüngen zusammen, kleinen Gruppen, Wildschweine leben in Rotten.

Wildschweine sind selten allein unterwegs: Quert eine Sau den Weg, folgen ihr oft weitere Stücke der Rotte. Wer bremst, muss mit Nachzüglern rechnen. Foto: Danny Kroon / Unsplash+ License

Wenn Wild am Straßenrand steht

  • Fuß vom Gas, kontrolliert bremsen, Fernlicht abblenden und hupen.

  • Mit Nachzüglern rechnen, auch wenn das erste Stück schon weg ist.

  • Ist der Zusammenstoß nicht zu vermeiden: Lenkrad festhalten, voll bremsen, nicht ausweichen. Baum oder Gegenverkehr sind gefährlicher als das Tier.

  • Nach dem Unfall Warnblinker an, Warnweste an, Unfallstelle sichern und über 110 die Polizei rufen.

  • Wildunfallbescheinigung von Polizei oder Jagdausübungsberechtigtem ausstellen lassen und die Versicherung vor der Reparatur informieren.

Was Jäger nach dem Anruf der Polizei erwartet

Für Revierinhaber beginnt die Arbeit, wenn die Polizei anruft. Lebt das Tier noch und ist geflüchtet, übernimmt der Jagdausübungsberechtigte die Nachsuche, oft mit einem geprüften Schweißhund. Autofahrer sollen ein verletztes Stück weder anfassen noch verfolgen. Wie eine Nachsuche abläuft und warum sie Pflicht ist, steht in unserem Grundlagenartikel.

Totes Wild gehört nicht ins Auto des Fahrers. Das Aneignungsrecht liegt beim Jagdausübungsberechtigten. Wer sich ein überfahrenes Reh zueignet, verletzt fremdes Jagdrecht und macht sich nach § 292 StGB der Jagdwilderei strafbar. Die Abgrenzung zwischen Aneignungsrecht und Jagdwilderei gehört zum Prüfungsstoff der Jägerprüfung.

Ob die Zeitumstellung die Unfallzahlen der Versicherer messbar nach oben treibt, lässt sich aus den Jahreswerten nicht ablesen. Die Warnung des Jagdverbands stützt sich auf die Tageszeiten der gemeldeten Unfälle, nicht auf Versicherungsdaten. Dass ein Wildunfall auch tödlich enden kann, zeigt ein tödlicher Unfall mit einem Reh in Bayern aus dem Sommer. Dass Rehwild vielerorts in hoher Dichte vorkommt, belegt etwa die Jagdstrecke Rheinland-Pfalz 2025/26.

Jagdwilderei, Aneignungsrecht und Fallwild sind Prüfungsstoff. Die Jagdkompass-App trainiert sie mit Prüfungsfragen aus allen Bundesländern. Mehr aus Revier und Jagdbetrieb findest du in der Rubrik Jagdpraxis & Revier.

Quelle

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